Bootskauf in den Niederlanden

*
(Unser Erfahrungsbericht; über Kommentare und Erweiterungen, insbesondere auch von Rechtsanwälten, die wir dann ggf. auch verlinken, freuen wir uns)

Ein Bootskauf birgt immer Risiken, gegen die man sich nur schwer absichern kann. Oft geht es um Beträge, die in der Dimension einer Eigentumswohnung, allerdings aber irgendwo im Wasser liegen. Grundbuch und Notar gibt es nicht.

Wir haben uns, auch aus praktischen Gründen, dazu entschlossen, in den Niederlanden zu kaufen. An mehreren Wochenenden waren wir vor Ort und haben uns Boote der entsprechenden Größe angeschaut - mit der Erkenntnis, dass uns der eine oder andere Verkäufer mehr oder weniger über den Tisch ziehen wollte. Beispiel: Wasser im Heckbereich der Bavaria 35 Holiday ist eher normal, ich denke das liegt an der zahlreichen Borddurchlässen, die da angesiedelt sind. Die Menge macht es! Jedenfalls wurde dieses Wasser als Kondenswasser deklariert und die Bodenbretter könne man ohne weiteres nicht wegnehmen .. Bei nur € 1000,00 Verhandlungsangebot, einem nicht zulassungsfähigen Funkgerät und insgesamt reichlich ungepflegtem bis abgegriffenen Zustand bleibt da nur der Weiterweg.

Bavaria 35 auf dem PrüfstandSo sind wir dann beim Makler gelandet, in dem Wissen, dass in den NL ein großer Teil der Boote diesen Weg nimmt. Üblich ist es auch, dass ein Gutachter zugezogen wird, dessen Kosten ebenso wie das Kranen zulasten des Käufers gehen. Der Makler wird übrigens vollständig vom Verkäufer bezahlt; eine scheinbar nette Sache, aber dieser ist dann eher dem Verkäufer als dem Käufer verpflichtet. Eine Teilung der Kosten wäre da vielleicht sinnvoll ... Der Gutachter machte seinen Job recht gut, also letztlich nichts anders als das, was ich auch gemacht hätte. Minus Osmosemessung (mangels Gerät) oder das Abklopfen des Teakdecks (wäre ich zu bequem gewesen). Und hätte ich die Spachtel ausgepackt und am Ruder gekratzt, dann wäre jeder Privatverkäufer sicher recht nervös geworden. Vor allem das Verhandlungsgespräch lief dann recht klar ab: Gutachter berichtet und wir besprechen gemeinsam mit dem Makler die jeweiligen Alternativen.

Auszug

  • Defekte Buglaterne — Kaufpreisminderung
  • Defekte Windlupe — Kaufpreisminderung
  • Leichter Rost am Kiel — normal
  • Beginnende Osmose am Ruder — Kaufpreisminderung
  • Schaltung extrem schwergängig — Reparatur zu Lasten des Verkäufers

Jedenfalls war das eine klare Angelegenheit, vor allem auch, weil der Makler einen Kaufvertrag in deutscher Sprache vorlegte.

Achtung Versicherung: Nach Auskunft von Pantaenius ist ihre Yacht bei z.B. Pantaenius auch für den Käufer noch vier Wochen lang versichert. Praktisch für alle. Das scheint in den Niederlanden nicht üblich zu sein! Sie sollten da jedenfalls rechtzeitig aktiv werden und für eine Deckungszusage sorgen.

Achtung Mehrwertsteuer: Unbedingt darauf achten, dass die MwSt ausgewiesen ist. Das betrifft alle Boote, die nach einem bestimmten Datum (uns derzeit nicht bekannt) ausgeliefert wurden. Sie laufen sonst Gefahr, dass bei einer Einreise z.B. nach Deutschland die MwSt nachentrichtet werden muss.

Die übliche Vorgehensweise

  • Schiff besichtigen
  • Kaufpreisverhandlung
  • Anzahlung
  • Gutachtertermin
  • Verhandlung über Preisnachlass, Nachbesserung oder Rücktritt (bei Mängeln, die einen vorher festgelegten Betrag übersteigen)

Links:

www.devalk.nl
www.schuijt-scheepsexpertises.nl
www.tombuch.nl
www.anwb.nl/servlet/Satellite?pagename=OpenMarket/ANWB_vakantie/ANWB_watersport/Watersport_KiezenKopen

ANWB entspricht unserem ADAC, ist also auch ein Wassersportclub. Sicher wissen wir es nicht, aber als ADAC - Mitglied werden Sie wohl auch als Mitglied behandelt und erhalten einen Rabatt. Man spricht dort meist recht gut deutsch und ist sehr hilfsbereit.

+