Klaus duscht

Völkerverständigung

1984 beschloss der Autor, fernab jeden größeren Gewässers an der Bergstraße lebend, das Abenteuer zu suchen und sich der Seefahrt zuzuwenden. Das große Abenteuer blieb aus, aber viele Erlebnisse und interessante Bekanntschaften waren das Ergebnis, nachdem via Yacht-Anzeige "Mitsegelgelegenheit" der erste Schritt getan war.

Schon damals fiel auf, das Duschen in den Niederlanden seine Tücken hat: Die sind nämlich meist etwas länger gewachsen, diese Nachbarn, entsprechend höher ist der Duschkopf und viel weniger Wasser trifft demnach auf den Rücken von eher kleinern Nutzern dieser Einrichtung. So etwa 1/5 der üblichen Menge. "Damit musst Du leben" meinte damals der maritime Ziehvater, ein Dorstener Architekt.

DuschhahnWenn man nun also seinen Gulden einwirft und das Ergebnis nicht den heimatlichen Gewohnheiten entspricht, sollten die begleitenden Gefühle, spontanen Regungen und Reden, vor allem in der Öffentlichkeit, nicht immer und in jeder Situation unreflektiert aus dem Munde quellen. Wenn nun Klaus, er könnte auch Fritz, Hans oder Karl geheißen haben, duscht, so kann er es heutzutage, selbst wenn er es darauf anlegen sollte, kaum noch schaffen, internationale Konflikte heraufzubeschwören. Denn er hat eben nur geduscht. Was allerdings ein Segelkamerad dabei von sich geben kann, ist fast geeignet, derartiges zu leisten.

"Klaus, ich bin fast fertig, wie weit bist du?" ER beschäftigt sich ausführlich mit seiner Frisur , aber nicht intensiv genug - seine Gedanken schweifen: "Also, so was habe ich noch nicht erlebt, dass es das noch gibt. Das ist ja wie im Osten." Aha, er will gar keinen internationalen, sondern einen nationalen Konflikt! Keine Chance, die aus dem Osten haben genug Meer, das sie lange genug nicht befahren durften, die sind selten hier. Von Klaus ist nichts zu hören. ER: "Duschst du schon? Ich gehe jetzt gleich." Klaus kämpft derweilen mit der Tücke der Materie, also ganz praxisbezogen mit dem Wasserhahn und dem Geldautomaten. Es rauscht noch immer nichts, also schreitet ER ein: "Dreh den linken Hahn auf, links, Klaus, immer links und hast du schon dein Geld eingeworfen? Wirf doch dein Geld ein!"

Nicht an die Dusche kommen!Die Bemühungen fruchten wenig, pädagogisch scheint ER nicht bewandert zu sein, die Erfahrungen mit internationalen Duschen gering. Also wendet ER sich an den wartenden Autor: " Hat man so was schon gesehen, wie vor 20 Jahren ( aha, jetzt kommen große Erkenntnisse, Alterweisheiten, Erlebnisse aus der Jugend...) , dieser Schlauch, habe ich nicht mal im Garten und die ganze Anlage hier, für 100 Leute. Das ist eine Frechheit, dafür noch Geld zu verlangen, ich hätte den ganzen Kram schon längst weggeworfen, nein, in meinem Garten habe ich was Besseres." Er ist mittlerweile beim Deo angelangt und will gehen, Klaus soll nachkommen. Beim Autor wächst die Spannung auf das Erscheinen von ebendiesem, ist es ein Kind, ein Greis, sieht man es ihm an, dass er nicht alleine duschen kann? Die Dramaturgie ist perfekt, Klaus kämpft weiter: " Es gibt nur kalt, ich kann so nicht duschen." Die Antwort liegt auf der Hand: "Rechts, dreh rechts ". Finale: " Es ist zu heiß, und ich bin schon eingeseift!" Schweigen. "Jetzt kommt gar nichts mehr." ER legt letzte Hand an sich, Bärtchen bürsten, Haare striegeln und gelen, Deo ist ausreichend versprüht: "Klaus, ich geh jetzt, kommst du nach?" Und, da der Autor nicht bereit ist, auf ein Gespräch einzugehen, in Rom kann man ja leicht den Römer spielen, spricht er in den Raum: "Diese Sanitäranlagen, für 100 Leute. Und so eine Elektrik, an einer Schnur muss man da ziehen. Wie bei meiner Oma. Und dieser Schlauch. Wie vor zwanzig Jahren. Hätte ich längst weggeschmissen. Haben sie so was schon mal gesehen? Klaus, ich geh jetzt, komm nach."
DuschkopfKlemmt seinen mächtigen Kultur(?)beutel unter den Arm und verschwindet mit verständnisheischendem Blick kopfschüttelnd. Klaus erscheint, der Autor kann sich endlich selbst der Körperreinigung zuwenden.
Ganz verständnislos ist der Autor allerdings nicht, denn bereits 1984 fiel ihm ja auf, dass andere Länder andere Sitten haben. So ist jede Ijsselmeerhafendusche anders, so wie eben jeder Hafen anders ist und wir warten weiter sehnsüchtig auf einen statt Sterne wassertropfenverteilenden "Duschführer Friese Meeren, Ijsselmeer und Waddenzee", der in einem der bekannten maritimen Verlage erscheinen sollte.

Bis dahin einige Bemerkungen für Neulinge im Revier: Die Fotos sind keineswegs typisch, mittlerweile sieht es in dieser Dusche auch (Stand 2001) etwas besser aus. Der Autor ist dieser speziellen Örtlichkeit trotz geringem hygienischen Niveau nicht ganz abgeneigt, immerhin darf man hier die Wassertemperatur selbst einstellen, was insgesamt gesehen eher selten ist. Echte "Warmduscher" haben es schwer: Zum einen sind die Duschköpfe recht hoch (siehe oben) und zum anderen ist man umweltbewusst. Energiesparen ist angesagt. Ebenso wird der echte "Kaltduscher" keine rechte Freude empfinden, denn die Wassertemperatur ist auch nach unten nicht zu regeln (siehe oben). Ich habe schon immer meinen Reservegulden dabei; irgendwie traue ich dem Frieden immer noch nicht und will nicht eingeseift ... (siehe oben). Allgemein kann man sagen: Die urigen Häfen sind auch hygienisch uriger, die modernen steriler. Und meinen Reseveeuro werde ich auch künftig dabei haben.

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